Corona fordert ein Umdenken – Klimaschutz auch!

Dieser Text ist Teil der Blogparade „Wir für’s Klima“ von Mumandstillme.

Coronakrise > Klimakrise

Wir schreiben das Jahr 2020 und das öffentliche Leben ist wegen der Corona-Krise weitgehend runtergefahren worden. Versammlungen wurden untersagt, Geschäfte, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen. Innerhalb kürzester Zeit wurden einschneidende Maßnahmen getroffen, damit das Gesundheitssystem nicht zusammenbricht und viele tausend Menschen sterben. Ob die Maßnahmen ausreichen, wissen wir am heutigen Tage noch nicht.

Über Klimaschutz hört man dieser Tage kaum etwas. Wenn dann sind es positive Nachrichten, wie dass die Luftqualität in China sich drastisch verbessert hat, das Wasser in der Lagune von Venedig glasklar ist oder dass an den menschenleeren brasilianischen Stränden seltene Meeresschildkröten schlüpfen.
Ansonsten scheint der Klimaschutz hinter den alltäglichen Sorgen der Menschen in den Hintergrund zu rücken. Klar, wenn die eigene Gesundheit oder die der Liebsten bedroht ist, kann man an wenig anderes denken. Genauso wenn man nicht weiß, ob man sein Unternehmen weiter betreiben kann oder die Miete nächsten Monat bezahlen kann.

Jede Krise muss wie eine Krise behandelt werden

Wenn man auf den sozialen Medien die Profile von Klimaaktivistinnen wie Greta Thunberg oder Luisa Neubauer verfolgt, kann man eine sehr verständliche Frustration spüren. Die Corona-Krise wird wie eine veritable Bedrohung behandelt, während Maßnahmen zur Bekämpfung der Klimakrise verschleppt werden, weil die Auswirkungen nicht im gleichen Maße spürbar sind. So hat Greta Thunberg am 11. März 2020 auf Instagram geschrieben:

„We can’t solve a crisis without treating it as a crisis and we must unite behind experts and science.‬ This of course goes for all crises.“
(Wir können eine Krise nicht lösen ohne sie wie eine Krise zu behandeln und wir müssen uns hinter Experten und Wissenschaftlern zusammenschließen. Das gilt natürlich für alle Krisen.)

Es ist frustrierend

Bezüglich des vorherigen Verhaltens der Bundesregierung im Angesicht der Klimakrise, ist es geradezu unbegreiflich, wie die Wirtschaft derzeit zurückstehen muss und staatliche Milliardenbeträge im Zuge der Coronakrise bereitgestellt werden. Wieso wird denn nicht auf Wissenschaftler wie die Scientists 4 Future gehört, wenn sie vor einer Gefahr für die menschliche Gesundheit durch die Auswirkungen der globalen Erwärmung warnen?
Sie warnen übrigens auch lange schon vor den indirekten Folgen der globalen Erwärmung. Dazu gehören unter anderem Ernährungsunsicherheit und die Verbreitung von Krankheitserregern und ‑überträgern.
Momentan können sich wahrscheinlich alle sehr gut ausmalen, welche Szenarien uns drohen. Dass das auch nicht gut für die Wirtschaft wäre, versteht sich von selbst.

Die Coronakrise zeigt einfach sehr deutlich, dass es möglich wäre, der Klimakrise mit effektiven Maßnahmen zu begegnen, es aber politisch nicht gewollt ist. Ich finde das wahnsinnig frustrierend. Die entsprechenden Maßnahmen würden nicht halb so schwer in das tägliche Leben von uns allen einschneiden, wie der Lockdown, den wir gerade erleben.

Und was mach ich?

Natürlich frage ich mich auch immer wieder, was ich am besten tun kann, um meine und die Zukunft meiner Kinder etwas positiver zu gestalten. Seit einiger Zeit merke ich, wie die Kinder (unter normalen Umständen) weniger meiner Zeit beanspruchen. Dadurch öffnen sich für mich wieder Freiräume. Tatsächlich habe ich lange überlegt, ob ich mich politisch engagieren soll. Aber die extremen Drohungen und die Feindseligkeiten, die Frauen entgegengebracht werden, die sich öffentlich engagieren, schrecken mich derzeit ab. Nicht einmal, weil ich Angst hätte, sondern weil es mich unverhältnismäßig wütend macht. Ich muss vermutlich einfach noch älter werden, um so etwas gelassener handlen zu können. In den Kommentarspalten von Nachrichtenseiten bin ich schon dazu übergegangen Trollen nur noch ein „+1“ zu gönnen.

Cradle to Cradle

Nachdem Politik also ausfiel, habe ich mich dazu entschieden, mich in der Hamburger Regionalgruppe von Cradle to Cradle zu engagieren. Vor zwei Jahren habe ich einen Flyer auf dem Hamburger Heldenmarkt bekommen und all die lange Zeit lag der hier, weil ich das Konzept für spannend und zielführend halte.

Cradle to Cradle ist eine Nichtregierungsorganisation (NGO), die sich für eine konsequente und durchgängige Kreislaufwirtschaft einsetzt. „Cradle to Cradle“ bedeutet wörtlich übersetzt „Von der Wiege zur Wiege“. Bisher werden Rohstoffe der Erde entnommen, ein Produkt wird erzeugt, es wird weggeworfen und eventuell überlegt am Ende noch jemand, wie aus diesem Müll noch unter hohem Aufwand Rohstoffe (von meist minderwertiger) Qualität wiedergewonnen werden kann. Ein Zyklus von der Wiege ins Grab. Bei einem Zyklus von der Wiege zur Wiege wird gleich beim Produktdesign angesetzt und schon von Beginn an überlegt, wie die Materialien am Ende des Produktlebens zur Gänze wiederverwertet werden können. Dies umfasst die Nutzung erneuerbarer Energien und Vermeidung der Verwendung von Stoffen, die für Mensch und Umwelt schädlich sind. Folgekosten werden also gleich bei der Entwicklung eines Produkts in Ansatz gebracht und weitestgehend vermieden.

Es ist eine positive Denkweise, die erstmal alles für möglich hält und der Menschheit -trotz allem- viel zutraut. Es wird sich nicht damit zufrieden gegeben etwas weniger schlecht zu machen, wenn man es auch gut machen könnte. Das finde ich rundweg sympathisch und kann damit gut arbeiten.

Change the system

Natürlich ist es gut, wenn jeder im täglichen Leben und im eigenen Haushalt darauf achtet, sich umweltschonend zu verhalten. Ich halte es aber für unbillig, allein dem Verbraucher die Verantwortung für Klima- und Umweltschutz aufzubürden. Außerdem sind die Auswirkungen zu gering. Vielmehr ist ein Umdenken in der Industrie notwendig, um wesentliche Änderungen zu erreichen.

An diesem Punkt setzt Cradle to Cradle an, in dem die NGO Öffentlichkeitsarbeit für konsequente Kreislaufwirtschaft macht. Es wird an Schulen, bei Veranstaltungen, bei Talks und Diskussionen berichtet, wie es gelingen kann, dass Menschen Nützlinge auf diesem Planeten werden und ihm (und sich selber) nicht immer weiter schaden. In den Regionalgruppen finden sich Aktive aller Fachrichtungen zusammen. Als Juristin und Fitnesstrainerin bin ich zwar eine Exotin in unserer Regionalgruppe, aber natürlich kann ich auch etwas beisteuern und sei es nur Social Media Expertise. Es ist aber auch eine Stärke von Cradle to Cradle, dass sich nicht nur (aber auch) Chemiker, Physiker und Umwelttechniker zusammen tun, sondern interdisziplinär gedacht wird.

Thematisch arbeiten

Bei Cradle to Cradle gibt es neben den Regionalgruppen weitere überregionale, themenspezifische Bündnisse. Besonders aktiv ist zum Glück das „Bündnis Bau und Architektur“, denn laut Statistischem Bundesamt fällt mehr als die Hälfte des Abfalls in Deutschland in der Bauindustrie an.
Dadurch dass ich selber nähe, interessiere ich mich aber für Textilverarbeitung und Fair Fashion. Daher habe ich mich dem „Bündnis Textil“ angeschlossen. Als interessierter Laie muss ich mich da aber definitiv noch weiter reinhören und -lesen.

Gute Energie

Persönlich finde ich extrem bereichernd, wieder Teil einer Gruppe zu sein, die zusammen für ein gemeinsames Ziel arbeitet. Ich war schon immer in meinen Sportvereinen aktiv oder in Arbeitsgemeinschaften in Schule oder Uni. Während der Zeit mit Kleinkindern ist mir das unmerklich weggebrochen. Zum Vermissen war aber auch keine Zeit. Umso froher bin ich, jetzt wieder etwas gefunden zu haben, wo ich mich in einer Gruppe gleichgesinnter engagieren kann. Momentan habe ich noch eine 6-monatige Schnuppermitgliedschaft, aber ich kann mir gut vorstellen, darüber hinaus weiter daran mitzuarbeiten, Hamburg nachhaltiger aufzustellen.

Klimaschutz vor Ort

Nebenbei lernt man übrigens auch viel über die eigene Stadt. Nicht nur, weil man mit vielen spannenden Menschen zusammenkommt, sondern auch weil die Cradle to Cradle-Regionalgruppe mit vielen weiteren Initiativen vernetzt ist. Von vielen habe ich vorher noch nie etwas gehört, obwohl oft extrem innovative, inklusive, wertschätzende und/oder nachhaltige Ansätze dahinter stecken. Wenn ihr euch also auch engagieren wollt, empfehle ich euch mal den Kopf in die Aktivisten-Blase zu stecken und euch mitreißen zu lassen!
Für ein ersten Kennenlernen empfehle ich die Aktivoli-Freiwilligen-Börse in Hamburg, den Heldenmarkt oder hört euch doch einfach mal in eurer Nachbarschaft um getreu dem Motto: Think big, act small, start now.

Globaler Klimastreik von zu Hause

Die nächste Aktion, bei der man ganz einfach von zu Hause aus mitmachen kann, ist der globale Klimastreik von Fridays for Future. Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu reduzieren und gerade auch die älteren Teilnehmer der Bewegung zu schützen kann der Protest nicht, wie gewohnt auf die Straße getragen werden. 

In Zeiten des physical distancing streikt man eben online. Tragt euch hier in die Streikkarte ein und hängt am 24.04. euer Plakat oder Transparent gut sichtbar am Fenster, am Balkon, am Briefkästen, am Arbeitsplatz oder im Ladeneingang auf. Ein Bild davon platziert ihr dann einfach noch auf Facebook, Instagram oder Twitter und schon seid ihr dabei beim #NetzstreikFürsKlima.

1 Kommentare

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