Ein Winterwochenende in Berlin

Günstige Me-Time

Grundsätzlich bin ich völlig frei von Anflügen schlechten Gewissens, wenn ich ein Wochenende ohne Mann und Kinder verbringe. Das ist Zeit, die wichtig für mich ist, um aufzutanken und mich mal um mich selbst zu kümmern.
Allerdings habe ich schon Bedenken für solche Trips übermäßig viel Geld auszugeben. Einerseits weil ich allein unterwegs bin und andererseits ist die Reisekasse natürlich strapaziert, seit wir als Familie in den Schulferien verreisen müssen.

Zum Glück habe ich eine Freundin, die aus Berlin kommt und deren Eltern noch in Kreuzberg wohnen. Wir haben also kurzer Hand ihre Eltern gefragt, ob wir im Winter mal bei ihnen wohnen dürfen, wenn sie unterwegs sind. An einem sehr grauen Januar-Wochenende war es dann soweit!

Entspannung ist Konsens

Ich habe seit Wochen eine Stirnhöhlenentzündung mit mir herumgetragen und meine Freundin hat die ganze Woche vorher kranke Kinder gepflegt. Es war also klar, dass wir ganz entspannt machen und nicht die Clubs abreißen würden. Alles was draußen stattfindet, konnte man bei Kälte und Nieselregen sowieso vergessen. Trotzdem muss man natürlich Dinge tun, die man mit Kindern nicht machen kann, wenn man schon mal kinderfrei hat. Wir haben uns auf Ausschlafen, Museen, Saunieren, Bummeln, unterbrechungsfreies Klönen und dann wieder Ausschlafen geeinigt.

Durch die schnelle ICE-Verbindung von Hamburg-Altona nach Berlin war ich innerhalb von zwei Stunden ganz entspannt in Berlin. Weil meine Freundin erst abends aus Leipzig angereist ist, bin ich erstmal allein in die Bauhaus-Ausstellung in der Berlinischen Galerie gegangen.

Es ist schon etwas anderes, ob man alleine in ein Museum geht oder mit Kindern. Zwar hatte die Ausstellung eine ganz tolle Station, an der man selber ganz leicht künstlerisch tätig werden konnte und die auch den Kindern Spaß gemacht hätte. Aber in seinem eigenen Tempo die Exponate anzuschauen und Dinge in Ruhe zu lesen, habe ich wirklich genossen.

Tatsächlich ist mir aber aufgefallen, dass ich überhaupt nicht weiß, was in Hamburger Museen gerade so los ist, weil ich es kaum noch schaffe, mich zu Hause auch mal darum zu kümmern.

Fancy muss man früher reservieren

Danach habe ich meine Freundin in Kreuzberg getroffen und wir haben die Wohnung bezogen. Eigentlich wollten wir uns in einem koreanischen Restaurant treffen, aber da waren schon am Vortag keine Reservierungen mehr möglich. Beim Japaner in der Nähe hätten wir auch nur noch Plätze an der Bar haben können, so dass wir dann einfach schräg gegenüber ins „Bastard“ gegangen sind. In Berlin sollte man also rechtzeitig reservieren. Da saßen wir dann auch ganz gemütlich bei Rotwein und Tapas und haben uns wieder auf den neuesten Stand gebracht.

Das Ausschlafen hat auch phänomenal funktioniert. So eine Privatwohnung ist da auch einfach deutlich besser für geeignet als ein Hotel, wo irgendwann immer die Nachbarn mit den Türen knallen. Außerdem kann man im Pyjama frühstücken.

Bikini-Wetter

Nachdem wir den wichtigsten Punkt abgehakt hatten, wollten wir dann eigentlich eine Jeans für meine Freundin kaufen. Mit Kindern ist Jeans kaufen immer eine Qual, weil sie keinen Bock haben zu warten und im besten Fall auch noch unqualifizierte Kommentare abgeben. Online ist auch doof, weil man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit was zurückschicken muss. Wir waren dann auch in einem Laden mit toller Auswahl an fairen Bio-Jeans, aber ihre Größe gab es trotzdem nicht. Natürlich.

Dann sind wir ins Bikini Berlin gefahren. Das Bikini ist ein Einkaufszentrum am Breitscheidplatz, das ganz viele Pop Up- und Flagshipstores und einen Foodcourt beherbergt. Das Bikinihaus ist übrigens auch archtektonisch interessant, weil es ein denkmalgeschütztes Gebäude aus den 50ern ist, das entkernt und aufwändig umgebaut wurde. Eigentlich wollte ich mir Schuhe kaufen, habe aber keine gefunden. Natürlich.
Wir sind dann auch ganz entspannt durch die Geschäfte gebummelt und haben da endlich auch was Koreanisches zu essen bekommen.

Auf dem Nachhauseweg sind wir in Kreuzberg noch bei der Bravo Bravko Kuchenwerkstatt vorbeigegangen. Da war es aber brechenvoll, so dass wir uns das köstliche Backwerk dann einfach in unserer gemütlichen Dachgeschosswohnung gegönnt haben.

Auftauen und Abtauchen

Am Abend haben wir uns ins Liquidrom aufgemacht. Das Liquidrom liegt unter dem Tempodrom, einer Veranstaltungshalle, und ist genau das richtige im Winter.

Dort gibt es ein Solebecken, in dem man sich einfach treiben und den Unterwassersounds lauschen kann. Dazu gibt es mehrere Saunen, Dampfbäder und die Möglichkeit, sich sich eine Massage zu buchen. Aber auch ohne Massage waren wir fast vier Stunden bis kurz vor Mitternacht da und es war herrlich. Sowohl für meine Stirnhöhle, wie auch für meine verklebten Faszien war das derart wohltuend, dass es auch ein kleiner Wellness-Urlaub war.

Dementsprechend gut und lange haben wir danach auch geschlafen.

Schön und schöner

Am Sonntag, als das Wetter besonders grässlich war, haben wir das Bröhan-Museum besucht. Als erstes wurde ich mit Berliner Charme darüber informiert, dass man in überhaupt keinem Museum nirgendwo auf der Welt einen Trolley abgegeben könne. Zum Glück hat eine andere Besucherin mir gesteckt, dass das auf der anderen Straßenseite in der Sammlung Scharf-Gerstenberg sehr wohl gehe. Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon gar keine Lust mehr wieder zurückzugehen. Aber „Nordic Design – Die Antwort aufs Bauhaus“ hat dann doch „Lebenskleckse -Todeszeichen, Horst Janssen zum Neunzigsten“ geschlagen.

Die Ausstellung hat mir ausnehmend gut gefallen. Die sehr ausführliche Führung konnten wir uns leider aus Zeitnot nicht ganz zu Ende anhören. Aber es war spannend in den Zeitgeist des letzten Jahrhunderts einzutauchen und die Designklassiker zu sehen, die sich daraus entwickelt haben.

Im Bröhan-Museum gibt es übrigens immer sonntags auch eine Werkstatt, wo man analog zu den Ausstellungen selber Werkstücke gestalten kann. Leider war auch das mit unseren Zugtickets nicht vereinbar. Aber immerhin konnten wir uns noch die Jugendstil- und Art Deco-Stücke ansehen, die das Bröhan-Museum ständig beherbergt. Da ging mir als 20er-Jahre-Liebhaberin natürlich das Herz auf.

Und vorbei…

So schön das Wochenende auch war, es war auch ganz schnell wieder zu Ende. Meine Freundin und ich sind wieder in die Bahn gesprungen und in entgegengesetzte Richtungen gefahren. Zum Gute-Nacht-Küsschen war ich wieder zu Hause und bin extrem entspannt in die neue Woche gestartet!
Kurzum: Ich kann es Euch nur empfehlen!

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