Blogfamilia 2018

Biberbettwäsche

Einmal im Jahr treffen sich Deutschland Familienblogger in Berlin, um sich weiterzubilden und zu netzwerken. Dieses Jahr war ich mit 179 anderen dabei: Auf der Blogfamilia!

Wie ich die Bundesfamilienministerin verpasst habe

Der Tag begann damit, dass der ICE, der mich nach Berlin bringen sollte, wegen eines Defekts ausgefallen ist. Ich hab dann noch kurz überlegt, ob ich nach Hause fahre und das Auto nehme, aber ich wäre dann tatsächlich auch nicht nennenswert schneller gewesen, als der Zug, der eine Stunde später fuhr.

So war ich mies gelaunt, eine halbe Stunde zu spät und habe die Eröffnung der Blogfamilia durch die Organisatoren Alu Kitzerow-Manthey (Grossekoepfe) und Janni Orfanidis (Ich bin dein Vater) verpasst und auch das Grußwort unserer neuen Bundesfamilienministerin, Dr. Franziska Giffey. Was eine halbe Stunde so ausmachen kann…

Der Grußrant

Sofort im Anschluss war ich dann aber sehr froh, dass ich endlich da war, weil Teresa Bücker die Keynote gehalten hat. Teresa Bücker wirkt zart, ist rothaarig, feminin und wird vermutlich auf den ersten Blick oft als mostly harmless eingestuft… ist aber Redaktionsleiterin der Edition F. Dementsprechend hat Fräulein Tessa in Ihrer Ansprache an die versammelte Bloggerschaft auch gleich richtig ausgeholt.

Teresa Bückner, Edition f, Keynote

Teresa Bückner

Sie hat das Initial genutzt, um sofort auf das politische Gewicht von Blogs einzugehen und auch den bewussten Umgang mit diesem Einfluss einzufordern.
Dann wurde abgerechnet mit einer Gesellschaft, in der die Beschäftigung mit Familienthemen immer noch als Gedöns abgetan wird und in einigen Berufszweigen auch als Karrierekiller gebrandmarkt ist. Sehr augenöffnend fand ich ihre Forderung, dass die Arbeitszeit radikal heruntergeschraubt werden muss, damit die Gesellschaft insgesamt nicht zu Schaden kommt.
Großer Kritikpunkt war auch, dass Missstände viel zu oft akzeptiert werden und sich schlicht damit abgefunden wird, anstatt die Dinge anzugehen. So könne es nicht sein, dass man von seinem Vollzeitjob nicht leben kann. Dass man Kindern heute sagen muss, dass sie Ihren Traumberuf vielleicht lieber nicht erlernen sollten, weil sie damit später hungern.

Nach dem kleinen Begrüßungsrant endete Theresa Bückner mit dem Appell, dass viel mehr über das Glück, Kinder und eine Familie zu haben, geschrieben werden sollte.
Und ich saß da und dachte: Verdammt, die Frau hat Recht! Mit allem.
Zum Glück wurde die Rede auf Edition F mittlerweile für die Ewigkeit festgehalten.

Sponsorn, Blogfamilia

Sponsorenmesse

Geballte mütterliche Digitalkompetenz

Der nächste Punkt am Vormittag waren Workshops und Diskussionen zu den Themen „Leben im postdigitalen Zeitalter“, „Digitale Familienangebote der Zukunft mitgestalten“, “ Warum wir nicht mit jeder Beule in die Notaufnahme müssen“ und „Gesundes Aufwachsen im digitalen Zeitalter“. Zum Leben im postdigitalen Zeitalter haben sich Patricia Cammerata aka. das Nuf, Isa Grütering von Hauptstadtmutti und Dr. Friederike von Gross von der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK) ausgestauscht. Ganz verstanden habe ich nicht, wieso wir auf einmal schon im postdigitalen Zeitalter sind. Möglicherweise bin ich jetzt schon ewig gestrig.

GMK, das Nuf, Hauptstadtmutti, Patricia Cammerata, Friederike von Gross

Patricia Cammarata, Isa Grütering, Dr. Friederike von Gross

Das Panel war auf jeden Fall hochkompetent besetzt mit drei Frauen, die die Digitalisierung voll mitgehen und sich ihren Herausforderungen stellen. Unumgänglich war unter Elternbloggern natürlich, über den Umgang mit Kinderfotos in den sozialen Medien zu sprechen. Dann ging es aber auch darum, wie man Kinder nicht nur vor dem Netz schützt, sondern auch aktiv partizipieren lässt. Dazu hat Patricia Cammerata sehr treffend festgestellt, dass das Internet kein kinderfreier Raum sein sollte. Über die ganzen Gefahren, die im Netz lauern, vergisst man oft, welche Möglichkeiten es Kindern und Jugendlichen auch eröffnen kann, um sich einzubringen.

Live-Dino-Metal

Der definitiv skurrilste Tagesordnungspunkt war nach dem Mittagessen der Auftritt der Band „Heavy Saurus“. Möglicherweise bin ich auch nicht ernsthaft genug an das Thema herangegangen, weil ich immer nur „Sausier!“ und „Nichtdiemama!“ denken konnte. Die Band, die ursprünglich aus Finnland kommt, jetzt aber auch ein deutsches Metal-Album für Kinder veröffentlicht hat, steckt nämlich in Dino-Kostümen. Angeblich sind die Texte der Band für Kinder gemacht, das übrige Bühnenprogramm war es zumindest. Leider waren die Songs so schlecht abgemischt, dass ich von den Texten genau gar nichts verstanden habe. Vielleicht gehört das aber in guter finnischer Metaltradition auch so. Es war auf jeden Fall amtlich laut und bestimmt die Hälfte der anwesenden Kinder war restlos begeistert, während die andere Hälfte etwas eingeschüchtert wirkte.

Heavy Saurus, Dinoband, Kindermetal

Heavy Saurus

Harter Tobac auf der großen Bühne

Nach den Sausiern wurde es dann wirklich heavy, als Nicole Staudinger, die Schlagfertigkeitsqueen, ihre Krebsgeschichte auf die Bühne brachte. Wie diese Frau Schicksalsschläge verarbeitet ist schier unglaublich. Dazu schafft sie es derart humorvoll davon zu berichten, dass man zwischendurch immer wieder vergisst, dass eigentlich alles mit Brustkrebs seinen Ausgang nahm. Dann muss man aber immer wieder schlucken. Das tolle an Nicole Staudinger ist aber nicht nur, dass ihre Geschichte an sich inspirierend ist, sondern dass sie ihre Talente nutzt, um andere Frauen zu stärken. Ich kann die Situationen, in denen ich um eine Antwort verlegen war, noch an einer Hand abzählen. Aber die Tipps von Nicole Staudinger dazu sind wirklich Gold wert, egal ob man mit Mansplaining oder kratzbürstigen Kolleginnen umgehen muss. Female Empowerment at its best. Ich hab schon die Hamburg-Termine gegoogelt!

Wie das Internet einen lebendig hält

Am Nachmittag gab es nochmal Workshops. Die Themen waren „Content Generierung“, „Pinterest – Mit wenig Aufwand viel Erreichen“, „Der Fake-Influencer“, „Podcasting 101“, „Hate Speech“ und ich hatte das große Vergnügen von der Rampensau der deutschen Juristinnen,  Nina Strassner, der Juramama, das äußerst unvergnügliche Thema „Absicherung im Todesfall“ präsentiert zu bekommen. Fürchterlich. Sowohl wenn es um die eigenen Kinder geht, als auch wenn es um den eigenen digitalen Nachlass geht.

Juramama, Smartmama, Nina Strassner, Sandra

Nina Strassner und Sandra Runge

Wenn es um die eigenen Kinder geht, tut es einem einfach weh, sich damit zu beschäftigen, was im Falle des eigenen spontanen Ablebens passieren soll. An dieser Stelle nur soviel: Tut es trotzdem. Ihr wollt nicht, dass der Familienrichter nach eigenem Gutdünken entscheidet, nur weil ihr keine Regelung getroffen habt.

Viel bodenloser und noch unüberschaubarer als die DSGVO ist die Regelung des eigenen digitalen Nachlasses. Der eigene Blog ist vielleicht noch am einfachsten zu vererben. Da liegt einem die Verfügung, was damit im Todesfall passieren soll, möglicherweise auch am Herzen. Das wirkliche Problem sind die unzähligen Verträge, die man jeden Tag online abschließt. Denn es geht nicht nur um die Verträge, bei denen man eine Leistung erwirbt, sondern auch um alle unentgeltlichen Konten, die man sich ständig zulegt. Man möchte einfach nicht, dass ein lieber Mensch, den man zurücklässt, sich mit diesem ganzen Mist rumschlagen muss. Erst Recht möchte man nicht, dass den Hinterbliebenen auf Facebook immer wieder Veranstaltungen angezeigt werden, die man angeblich mit ihnen besucht. In diesem Zusammenhang hat Nina Strassner auch gleich darauf hingewiesen, dass Dirk Bach aus dem Jenseits weiterhin Tweets senden könnte, weil sein Twitterkonto noch immer besteht. Fürchterlich.
Aber es wird nicht besser, wenn man es nicht regelt. Da sollte man sich dringend mit auseinandersetzen, wenn man geregelt hat, wer sich um die Kinder kümmert.

Digitale Aussetzer in der Familienpolitik

Der Blogfamilia-Talk ging ein bisschen an mir vorbei. Das Panel bestand mit Jenna Behrends (CDU), Alu Kitzerow-Manthey und Daniela Ehlers (Bündnis 90/Die Grünen) (die beiden letzteren krankheitsbedingt eingesprungen) nur aus Berlinerinnen. Bei allem, was sie bei der Diskussion zum Thema „Digitale Familienpolitik“ bezüglich Verwaltungsaufwand und insbesondere Kitaplätzen beizusteuern hatten, hab ich nur die Finger gekreuzt und gehofft, dass es in Hamburg nie so schlimm kommt.

Alu Kitzerow-Manthey, Jenna Behrends, Daniela Ehlers, Indre Zetzsche

Frederik, Daniela Ehlers, Indre Zetzsche, Jenna Behrends, Alu Kitzerow-Manthey

Würze bekam der Talk dann durch die Fragen, die auf dem Hot-Seat gestellt wurden. Wahnsinnig interessant war zum Bespiel, was Jenna Behrends gemacht hat, als alle Medien über ihren Artikel zum Sexismus in der CDU hergefallen sind: Handy aus und auf den Spielplatz.
Allerletzte Wortmeldung kam von Frederick, dem Sohn einer Bloggerin, der fragte, ob wirklich geglaubt würde, dass Blogs etwas ändern könnten. Nach kurzer Diskussion dazu hielt er dann auch das Abschlussplädoyer für das Bloggen, als er sagte: „Blogger schreiben ja. Und manche Menschen hören auch auf das, was geschrieben wird. Also ja, ich glaube, dass Blogger etwas verändern können.“

And the Awards go to…

In diesem Spirit wurden dann anschließend die Blogfamilia-Awards verliehen. Es begann zu Recht tränenreich, als „22 Monate“ den dritten Platz gemacht hat. „22 Monate“ geht mir wirklich an die Nieren. Ich kann auch nicht empfehlen, sich da in Schwangerschaft oder Stillzeit reinzulesen, sonst kann man vielleicht nie wieder aufhören zu weinen. Bei diesem Blogprojekt haben Eltern vier Jahre nach dem Tod ihres Sohnes Josef angefangen, sein kleines Leben in Tagebucheinträgen nachzuskizzieren. 6 Monate gibt es schon, nur 22 werden es.
Platz Zwei ging an Minimenschlein Leonie Lutz für ihr Engagement für die Kinderhilfe in Kambodscha. Leonie war sichtlich bewegt und hat auch noch einmal erzählt, was die Reise nach Kambodscha mit der Lifestylemutti gemacht hat und wie sich der Fokus in ihrem Leben verändert hat.
Der erste Platz ging an Anke Neckar und ihren Blog Lächeln und Winken für ihren stetigen Einsatz für die DKMS.

Lächeln und Winken, Blogfamilia, Award

Mit Award und Lächeln ohne Winken

Der gemütliche Teil des Bloggens

Zum Abschluss gab es ein bis drei Bier, die man im Innenhof zum Klönschnack genießen konnte. Das war super, denn das macht auch ein bisschen das Flair der Blogfamilia aus. Tolle Familienblogger, die man schon kennt, treffen und dann die tollen Leute kennenlernen, die die kennen. Schön war es, das Familienblogger-Klassentreffen.

Vielen Dank an all die lieben Menschen, die hinter dem Blogfamilia e.V. stehen und so viel ihrer Kraft in diese inspirierende Veranstaltung investiert haben!

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