Brauche ich eine Hebamme im Wochenbett?

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Seit einiger Zeit ist es schwierig, eine Hebamme für die Betreuung nach der Geburt zu finden. Daher wird von Schwangeren immer öfter die Frage gestellt: Brauche ich überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Nicht nur von Erstmüttern, die noch gar nicht genau wissen, was da auf sie zu kommt. Diese Frage habe ich auch schon von Freundinnen gehört, die ihr drittes Kind erwarteten. Nach dem Motto: Das Baby könne man ja auch alleine wiegen.
Es geht bestimmt auch ohne Hebamme. Sollte es aber nicht!

Die Krankenkasse zahlt

Damit Hebammenversorgung kein Luxus ist, den sich nur wohlhabende Familien leisten können, werden in Deutschland die allermeisten Hebammenleistungen von den Krankenkassen getragen. So hat man bis zum 10. Tag nach der Geburt Anspruch auf mindestens einen täglichen Besuch durch die Hebamme und weitere 16 Besuche bis zur zwölfen Lebenswoche des Kindes. Auch bei Still- oder Ernährungsproblemen kann man darüber hinaus noch die Hilfe seiner Hebamme in Anspruch nehmen. Um das Finanzielle braucht man sich also keine Sorgen machen.
Selbst wenn Kinderarzt und Gynäkologe erreichbar sind, ist es gerade im Wochenbett ein unschätzbarer Vorteil, wenn jemand zu einem nach Hause kommt. Im Wochenbett steht die Welt kopf und teilweise ist man in den Tagen nach der Geburt noch nicht wieder besonders mobil.

Neugeborenenversorgung

Natürlich ist es für die frischen Eltern das Wichtigste, dass sich die Hebamme um das Neugeborene kümmert. Sie überprüft, ob euer Baby im richtigen Rahmen zunimmt, ob der Nabel gut abheilt, ob das Baby an Neugeborenengelbsucht leidet und wie sich das Kind allgemein entwickelt.
In den ersten Lebenstagen unterstützt die Hebamme euch auch dabei, dass eine liebevolle Bindung zu dem neuen Familienmitglied entsteht. Das hört sich so einfach an, aber auch hier haben Hebammen wertvolle Tipps, wie das Bonding gut klappt und sich euer Baby bei Euch sicher und geborgen fühlt.
Beim ersten Kind oder auf Wunsch weist die Hebamme die Eltern auch in die Säuglingspflege ein und zeigt einem ein paar Kniffe und Griffe beim Wickeln, Beruhigen, Massieren und auch bei Babys erstem Bad.

Still- und Beikostberatung

Auch wenn es immer so friedvoll und schön aussieht, kann Stillen leider ziemliche Probleme bereiten. Zu Anfang kann es sehr schmerzen, es kann Probleme mit der Milchmenge geben oder mit der Halteweise. Bei all diesen Problemen steht einem ebenfalls die Hebamme helfend zur Seite und berät natürlich bei Bedarf auch in Sachen Flaschenernährung. Diese Hilfe sollte man auch beim zweiten oder dritten Kind noch dankend annehmen. Zum einen gibt es keine Garantie, dass Geschwisterkinder sich genau gleich verhalten und zum anderen ist es unfassbar, was man alles vergessen kann zwischen zwei Geburten. Am Ende der Stillzeit ist das Stillen meist derart zur Gewohnheit geworden, dass man eventuelle Startschwierigkeiten mit dem Winzling völlig verdrängt hat.

Leider kann es mit dem Stillen auch zwischendurch akute Schwierigkeiten geben. So hatte ich z. B. meinen ersten Milchstau auch erst beim zweiten Kind. Gerade in solchen Situationen ist es dann unbezahlbar, wenn man sich nicht mit 40°C Fieber und empfindlichen Schmerzen ins Auto setzen muss und zum Frauenarzt fahren muss. Meine Hebamme ist stattdessen zu mir gekommen und hat mir auch gleich Quark zum kühlen und Medikamente und Kompressen aus der Apotheke geholt, so dass ich die Entzündung wieder wegbekommen habe, ohne dass ich zum Frauenarzt musste.

Die Hebamme ist auch Ansprechpartner bei der Beikosteinführung. Wie schwierig sich das Essen von fester Nahrung gestaltet hängt sehr individuell vom Kind ab. Es gibt natürlich auch viel Literatur zu dem Thema, aber die Hebamme kann euch ebenfalls einweisen und über neue Entwicklungen und Empfehlungen informieren.

Versorgung und Betreuung der Wöchnerin

Das Baby kommt für die Mutter natürlich immer an erster Stelle und darüber wird dann oft vergessen, dass die Hebamme noch eine sehr wichtige weitere Aufgabe hat. Sie kontrolliert auch wie die Mutter die Schwangerschaft und Geburt verkraftet hat. Bildet sich die Gebärmutter zurück? Schieben sich die Organe wieder an den richtigen Platz? Heilen etwaige Geburtsverletzungen gut ab? Staut sich der Wochenfluss nicht? Schont sich die Wöchnerin ausreichend?
Eine Selbstdiagnose ist an dieser Stelle ziemlich schwierig und gerade wenn man dann bei Dr. Google oder in Internetforen Rat sucht, vergrößert das die Verunsicherung meist nur. Es ist daher auch hier sehr hilfreich, wenn die Hebamme einem sagen kann, dass z. B. das schmerzhafte Ziehen in der Leiste normal ist oder ob man damit einen Arzt aufsuchen sollte. Viele Hebammen kann man heutzutage auch per SMS oder per Messenger erreichen, so dass man schnell Antworten auf seine Fragen erhält, wenn man sich Sorgen macht.
Meistens bekommt man von der Hebamme auch schon die Anleitung zu ersten sanften Rückbildungsübungen.

Letzter, aber sehr wichtiger, Punkt ist die psychologische Betreuung der Wöchnerin durch die Hebamme. Rund um Schwangerschaft und Geburt macht man derart große körperliche und seelische Veränderungen durch, dass man sich manchmal selber nicht wieder erkennt. Insbesondere die Geburt kann auch ein traumatisches Erlebnis sein. In dieser Situation kann es sehr gut tun, wenn man einfach jemanden zum Reden hat, der einen versteht und einem auch sagen kann, dass das nicht nur einem selber so geht. Es ist auch Aufgabe der Hebamme eine Wochenbettdepression vom (normalen) Babyblues zu unterscheiden und eine entsprechende Behandlung anzuschieben. Ich hatte zum Beispiel auch vergessen, dass man im Wochenbett sogenannte „Heultage“ hat. Da ist es beruhigend, wenn man einfach jemanden hat, der sich auskennt und einem sagt, dass das es normal ist, dass man sich so verrückt fühlt und es wieder nur an den Hormonen liegt.

Die Betreuung durch eine Hebamme steht euch übrigens auch nach einer Adoption und gerade auch nach einer Fehlgeburt oder einem Schwangerschaftsabbruch zu!

Hebammen sind auch nur Menschen

Wie alle Menschen machen Hebammen auch Fehler und erkennen nicht immer alles richtig. Manchmal kommt man mit der Art der einen nicht klar oder findet einen der Tipps blödsinnig. Vielleicht ist einem die eine zu ruppig oder die andere zu esoterisch ausgerichtet.
Wenn man Glück hat und mehrere Hebammen findet, die einen betreuen könnten, kann man sich zu einem Vorgespräch treffen und sich für diejenige entscheiden, mit der man sich besser versteht. Findet man sowieso nur eine, die für einen Zeit hat, sollte man sie trotz etwaiger Bedenken festhalten. Hier gilt ganz klar, dass eine Hebamme besser ist, als keine Hebamme, zumal ihr ja auch beim Frauen- und Kinderarzt feste Kontrolltermine habt.

Macht euch die Mühe, es lohnt sich!

Ich hoffe, ich konnte euch überzeugen, dass sich die Suche nach einer Hebamme immer lohnt, auch wenn sie sich etwas nervenaufreibend gestaltet! Bei meiner ersten Tochter war ich heilfroh, dass ich noch eine Hebamme gefunden habe, weil ich sehr spät angefangen habe zu suchen. Es war vielleicht nicht genau die, die ich mir gewünscht hätte, aber gerade beim ersten Kind steht man ja bei vielen Dingen wie der Ochs vorm Berg, so dass ich mehr als dankbar war, dass ich eine Ansprechpartnerin für meine ganzen Fragen hatte. Bei meiner zweiten Tochter hatte ich dann (zufällig) eine tolle und sehr einfühlsame Frau, die sich so lieb um uns gekümmert hat, dass ich ganz gerührt war. Von daher wünsche ich keiner Frau, dass sie während des Wochenbetts ohne eine Hebamme auskommen muss.

Falls ihr noch auf der Suche seid, habe ich euch hier meine 10 ultimativen Tipps zusammengestellt, damit ihr auch eine Hebamme findet! Viel Erfolg!

 

 

 

2 Kommentare

  1. Danke tolle Tipps,
    ich habe mir erlaubt auch einen Ausriss aus dem Text bei kibabel.de zu posten. Allen die Tatsache das es die Hebamme auf Kasse gibt ist schon erwähnenswert.

    Superblog nur weiter so 🙂

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