Wie finde ich eine Hebamme für die Nachsorge?

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In letzter Zeit ist es wieder etwas stiller geworden um die Hebammen. Mittlerweile hat aber wahrscheinlich jeder mitbekommen, in welcher Misere die freiberuflichen Hebammen in Deutschland stecken. Auf Grund des Risikos durch einen Fehler bei der Geburtshilfe einen Schaden am Kind zu verursachen, sind die Beiträge zur Haftpflichtversicherung für Hebammen in astronomische Höhen gestiegen. Viele Hebammen sind daher mittlerweile bei einer Klinik angestellt oder betreuen Frauen nur noch zur Vor- und Nachsorge. Viele führen aber selber keine Geburten mehr durch.
Jetzt könnte man denken, dass es daher unproblematisch sein sollte, eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung und Nachsorge zu finden. Pustekuchen. Als Frau hat man zwar von gesetzes wegen einen Anspruch auf Hebammenhilfe nach der Geburt, die Suche gestaltet sich aber tatsächlich schwierig. Leider ist der Hebammenberuf, wie die meisten „Frauenberufe“, nicht gut bezahlt, die Arbeitszeiten sind unregelmäßig und der Beruf ist emotional sehr fordernd.
Kurz: Obwohl es eigentlich ein toller Beruf ist, sind die äußeren Anreize für junge Menschen, diesen Beruf zu ergreifen, gering. Daher besteht in vielen Teilen Deutschlands bereits eine Unterversorgung in diesem Bereich.

Die Suche nach einer Hebamme wird immer schwieriger

In Hamburg, wo ich wohne, steigen seit einigen Jahren die Geburtenzahlen. Folglich suchen jedes Jahr mehr Schwangere nach einer Hebamme. Die Versorgung ist natürlich im Vergleich zu ländlichen Bereichen gut und es gibt viele Kliniken und auch Hebammenpraxen. Trotzdem war bereits ein deutlicher Unterschied zwischen 2012, als ich zum ersten Mal eine Hebamme gesucht habe und 2015, als ich zum zweiten Mal schwanger war, spürbar.

2012 war die Suche auch zäh, aber hauptsächlich deshalb, weil meine Frauenärztin mir zwar alles Mögliche an Empfehlungen beim ersten Termin gegeben hat, aber nicht, dass ich mir sehr zeitnah eine Hebamme suchen sollte. Zudem lag mein Stichtag im August. Die Sommermonate sind generell schwierig, da Hebammen ungern Geburten mit Stichtag um ihren Urlaub herum annehmen. Das gleiche gilt für Weihnachten. Irgendwann hatte eine Hebamme aber den Tipp für mich, dass eine ältere Kollegin von ihr nur Winterurlaub machen würde. Sie hatte dann zum Glück im Sommer Zeit für mich und mein Baby.

Als ich das zweite Mal schwanger war, habe ich sofort angefangen eine Hebamme für Vor- und Nachsorge zu suchen. Trotzdem bin ich nicht gleich fündig geworden. Über die Liste meiner Geburtsklinik hatte ich dann schließlich irgendwann Erfolg. Ich höre aber immer öfter, dass die Suche sich sehr langwierig gestaltet oder im Extremfall auch mal keine Hebamme gefunden werden kann.

Wenn man im Netz sucht, findet man viele Artikel dazu, wie man die richtige Hebamme für sich findet. Das ist leider auch in Hamburg kaum noch die Frage. Es ist die Ausnahme, wenn man überhaupt noch zwei Hebammen findet, die einen im Wochenbett betreuen könnten. Meistens ist man tatsächlich froh, wenn man endlich eine Hebamme findet, so dass man dann auch nicht mehr weiter sucht.

Um euch bei der Suche zu helfen, habe ich hier die Dinge zusammengefasst, die man bei der Suche nach einer Hebamme beachten sollte und wo man Hilfe finden kann.

10 goldene Tipps

1. Keine Zeit verlieren

Sobald ihr beim Gynäkologen wart und Gewissheit habt, dass ihr schwanger seid, solltet ihr beginnen euch umzuhören.

2. Telefonieren

Bei der Hebammensuche müsst ihr telefonieren, telefonieren, telefonieren. Schreibt keine Emails! Einigen Hebammen liegt das Digitale vielleicht vom Typ her nicht, aber hauptsächlich sind Hebammen einfach den ganzen Tag unterwegs und haben dann abends nicht unbedingt noch Zeit und Lust Emails zu beantworten. Deshalb ruft sie an und sprecht auf jede Mailbox.

3. Lasst Euch Tipps geben

Hebammen sind gut vernetzt. Wenn eine euch also absagt, fragt sie gleich, ob sie nicht noch eine Kollegin weiß, die vielleicht noch Kapazitäten zur fraglichen Zeit hat oder die du zumindest fragen könntest.

4. Hebammenpraxen

Fragt in Hebammenpraxen nach. Die Betreuung durch eine Hebammenpraxis hat den Vorteil, dass jemand anders einspringen kann, wenn deine Hebamme krank ist. Vielleicht kann euch die Praxis auch eine Kollegin vermitteln.

5. Nachbarinnen fragen

Um eine Hebamme zu finden, die in Eurem Stadtteil tätig ist, ist es auch günstig, die Nachbarinnen mit Kindern zu fragen, ob sie ihre Hebamme empfehlen können. Einfach mal ansprechen. Vielleicht habt ihr ja auch eine Freundin mit Kind im gleichen Stadtteil.

6. Hebammenlisten der Kliniken und Geburtshäuser

Die meisten Krankenhäuser verfügen über Listen mit Hebammen, die dort tätig sind. Viele von diesen Hebammen machen auch Nachsorge. Diese Listen findet ihr entweder im Internet oder könnt sie vor Ort bekommen. Im Zweifelsfall ruft ihr einfach bei der Geburtsstation an und fragt.
Glückliche Städte und Gemeinden haben noch ein Geburtshaus. Dort könnt ihr euch ebenfalls erkundigen, meistens haben Geburtshäuser ebenfalls Hebammenlisten.

7. Hebammenverband

Hebammen sind in Verbänden organisiert. Euer Landesverband kann euch ebenfalls bei der Suche helfen. In Hamburg gibt es auf der Hompage z. B. eine Online-Suche, wo man Hebammen nach Stadtteil, Fremdsprachenkenntnissen und Leistungen suchen kann.

8. Social Media

Nutzt eure Social Media-Kanäle und fragt eure dortigen Freunde und Bekannten. Meistens kennt jemand jemanden, der jemanden kennt. Möglicherweise gibt es für euren Wohnort auch eine entsprechende Facebook-Gruppe für Schwangere oder Mütter, wo man sich weitere Tipps holen kann. Für Hamburg gibt es z.B. „Schwanger in Hamburg“.

9. Schwangeren-Kurse

Ihr besucht einen Aquagymkurs, einen Fitnesskurs, einen Yogakurs, einen Pilateskurs für Schwangere oder einen Vorbereitungskurs? Dann fragt dort auf jeden Fall auch die Kursleiterin und die anderen Teilnehmerinnen, ob nicht noch jemand einen heißen Tipp für euch hat.

10. Der Notnagel

Hebammen sind notorisch gute Menschen, weshalb sie euch nicht gerne absagen. Viele bieten euch am Telefon auch an, dass wenn ihr wirklich gar keine Hebamme findet, ihr euch nochmal melden sollt. Sie springen dann vielleicht ein und machen zumindest zwei oder drei Termine mit euch. Notiert euch das und kommt im Notfall darauf zurück!

Jetzt bleibt mir nichts, als euch noch viel Glück zu wünschen!

Nächste Woche

Wenn die Suche lang und frustrierend ist, wird oft die Frage gestellt: Benötigt man überhaupt eine Hebamme für die Nachsorge? Das Kind könne man doch auch alleine wiegen…
Wieso eine Hebamme toll ist und niemand darauf verzichten sollte, könnt ihr dann nächste Woche bei mir lesen!

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